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Viele suchen die Wunderblume....

Viele suchen die Wunderblume

anstatt das Wunder der Blume.

Blumen begleiten mich durch ein Jahr in Fülle.

Sie begegnen mir am Wegesrand, auf Almwiesen, auf den Weiden, im Wald, im Garten und manchmal auch in einem Menschen.

Ich stelle mir vor, wie unter meinen Füßen, Mutter Erde die Wurzelkinder weckt: "Wacht auf, wacht auf ihr Kinderlein, es wird nun wohl bald Frühling sein!"

Ich stelle mir vor, wie sich die Wurzelkinder recken und strecken und sodann an die Arbeit gehen um sich ihr Frühlingskleid zu nähen. Wie sie mit  ihrem Kleidchen in gelb und blau und rosarot vor die gute Mutter Erde treten, damit`s von ihr gemustert werde.

Und wie sie bei den ersten Frühlingssonnenstrahlen in die Welt hinauf ziehen.

Was für eine Freude für mein Herz, wenn ich nach einem langen Winter die ersten Blumen finde. 

 

Die Schneerose hat schon durch Schnee und Eis und Kälte ihr weißes Kleid in die Welt hinaus getragen.

Huflattich, Sumpfdotterblumen, Pestwurz, Gänseblümchen, Löwenzahn, Schneeglöckchen und Osterglocken, ehe im Mai und Juni die Blumen die Weiden und Almen mit ihren Schönheiten überfluten. 

Jede einzelne ein Wunder der Natur, wie auch jeder einzelne Mensch.

 

Immer noch wachsen Blumen

angesichts der Bedrohung,

die sich über die Erde legt wie ein Ring.

Und die Wiesen in ihrer blühenden Fülle,

jene herrlichen Gebilde unter der Last ihres Segens.

Arnika, Almrausch, Enzian und Edelweiß....

Die Blumen unter der heißen Almsonne scheinen so flüchtig in ihrer Schönheit,

aber ihr Duft, aufgestiegen aus dem warmen Boden, bleibt aufgehoben in der Vergänglichkeit. 

Ewig blühen sie in mir,

entrückt dem grausamen Zugriff der Zerstörung. 

Wie lange währen vier Monate Bergsommer?

Kurz und kostbar ist die Zeit.

Eine grenzenlose Weite und doch nur ein schmaler Grat zwischen dem letzten Schnee eines zögernden Frühlings und dem ersten Schnee eines allzu frühen Herbstes: Das verletzliche Band der Freiheit, über den Tälern, nahe dem Himmel, in deiner und meiner Hand. 

Jeden Tag erfahren wir den tiefen Trost des Tieres, der Blumen und Bäume, sie alle sind unsere Brüder und Schwestern, unsere Weggefährten.

Sie umgeben uns mit ihrer ruhigen Gegenwart,

mit ihrer beredten Sprachlosigkeit.

Was wäre der Mensch ohne die Natur?

Schon fällt der Schnee des Vergessen´s  über alle Dinge, die wir lieben.

Die Lärchen haben sich orangegelb verfärbt.

Überall nistet der Samen der Vergänglichkeit.

Viel zu schnell für mein anhängliches Herz reifen die bitteren Früchte des Abschieds.

Die Erde ist getränkt mit diesem fortwährenden Abschiednehmen.

Und jeder kleine Abschied heute im Leben ist eine Einübung auf den großen und letzten Abschied. 

Und jeder kleine Abschied nährt die Sehnsucht im Herzen des Menschen, irgendwann anzukommen, um dort für immer zu bleiben. 

 

Da kommt der Herbst mit Sturm und Wind,

treibt die Blumenkinder zur Mutter Erde heim.

"Geh nun zu Bett du kleine Schar,

und schlaf dich aus, bis nächstes Jahr!"

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